Anforderungen an Qualität, Nachweise und Zertifizierung bei tragenden Stahlkonstruktionen
1. Einleitung
Die Normenreihe EN 1090 regelt die Herstellung und Ausführung von tragenden Stahl- und Aluminiumkonstruktionen in Europa. Sie ist Grundlage für die CE-Kennzeichnung von Stahlbauprodukten.
Unternehmen, die Laserhandschweißen im Stahlbau einsetzen möchten, müssen die Anforderungen der EN 1090 vollständig erfüllen und mit den schweißtechnischen Normen verknüpfen.
2. Bedeutung der EN 1090 für das Laserhandschweißen
Im Stahlbau dürfen tragende Bauteile nur von zertifizierten Herstellern gefertigt werden. Die EN 1090 stellt sicher, dass Konstruktion, Fertigung und Prüfung normgerecht erfolgen.
Für Laserhandschweißen bedeutet dies:
- Integration in das werkseigene Produktionskontrollsystem (WPK)
- Nachweis qualifizierter Schweißprozesse
- Dokumentierte Qualitätssicherung
- Abnahmesicherheit gegenüber Bauherren und Prüfstellen
3. Aufbau der EN-1090-Normenreihe
Die EN 1090 besteht aus mehreren Teilen:
- EN 1090-1: Konformitätsbewertung und CE-Kennzeichnung
- EN 1090-2: Technische Regeln für Stahltragwerke
- EN 1090-3: Technische Regeln für Aluminiumtragwerke
Für Laserhandschweißen im Stahlbau ist vor allem EN 1090-2 relevant.
4. Ausführungsklassen (EXC1–EXC4)
Die EN 1090 definiert vier Ausführungsklassen:
- EXC1: Geringe Anforderungen
- EXC2: Standardanforderungen
- EXC3: Erhöhte Anforderungen
- EXC4: Höchste Anforderungen
Die Einordnung erfolgt nach:
- statischer Bedeutung
- Beanspruchung
- Versagensfolgen
- Nutzungskategorie
Mit steigender EXC-Klasse erhöhen sich die Anforderungen an Schweißtechnik, Prüfungen und Dokumentation.
5. Zusammenhang mit ISO 3834
Die EN 1090 fordert ein schweißtechnisches Qualitätsmanagement nach ISO 3834.
Zuordnung in der Praxis:
- EXC1 → ISO 3834-4
- EXC2 → ISO 3834-3
- EXC3 / EXC4 → ISO 3834-2
Ohne ISO 3834 ist eine EN-1090-Zertifizierung nicht möglich.
6. Anforderungen an Laserhandschweißprozesse
Für den Einsatz von Laserhandschweißen im Stahlbau sind folgende Nachweise erforderlich:
- Qualifizierte Verfahrensprüfung nach ISO 15614-11
- Freigegebene WPS
- Qualifizierte Bediener nach ISO 9606
- Festgelegte Qualitätsstufen nach ISO 13919-1
- Dokumentierte Prüfpläne
Diese Nachweise müssen Bestandteil der WPK sein.
7. Werkseigene Produktionskontrolle (WPK)
Die WPK ist das zentrale Qualitätssicherungssystem nach EN 1090.
Sie umfasst:
- Prozessbeschreibungen
- Prüf- und Überwachungspläne
- Dokumentenlenkung
- Rückverfolgbarkeit
- Umgang mit Abweichungen
- Schulungsnachweise
Laserhandschweißen muss vollständig in die WPK integriert werden.
8. Zertifizierung und Überwachung
Die EN-1090-Zertifizierung erfolgt durch notifizierte Stellen.
Bestandteile sind:
- Erstzertifizierung
- Werksaudit
- Regelmäßige Überwachungsaudits
- Produkt- und Prozessprüfungen
Nur zertifizierte Betriebe dürfen CE-gekennzeichnete Stahlbauteile herstellen.
9. Typische Fehler in der Praxis
- Einsatz von Laserhandschweißen ohne Verfahrensprüfung
- Fehlende Integration in die WPK
- Unzureichende Dokumentation
- Nicht passende ISO-3834-Stufe
- Unklare EXC-Zuordnung
Diese Fehler führen häufig zum Verlust der Zertifizierung.
10. Nutzen der normkonformen Umsetzung
Eine korrekt umgesetzte EN 1090 bietet:
- Rechtssichere CE-Kennzeichnung
- Hohe Abnahmesicherheit
- Reduzierte Haftungsrisiken
- Verbesserte Marktakzeptanz
- Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen
11. Kurzleitfaden zur Einführung
- Produkt- und Bauwerksklassifizierung
- Festlegung der EXC-Klasse
- Aufbau der WPK
- Qualifizierung der Laserprozesse
- Schulung des Personals
- Vorbereitung auf Zertifizierung
12. Zusammenfassung
Die EN 1090 ist die zentrale Norm für den Einsatz von Laserhandschweißen im Stahlbau. Sie verbindet CE-Kennzeichnung, Qualitätsmanagement und schweißtechnische Nachweise zu einem ganzheitlichen System.
Nur durch die konsequente Umsetzung aller Anforderungen ist ein rechtssicherer Einsatz von Laserhandschweißen in tragenden Stahlkonstruktionen möglich.
