Qualitätsstufen und Abnahmekriterien für Laserstrahlschweißnähte
1. Einleitung
Die DIN EN ISO 13919-1 ist die maßgebliche Norm zur Bewertung von Unregelmäßigkeiten bei Elektronen- und Laserstrahlschweißnähten. Sie legt fest, welche Abweichungen bei Laserschweißnähten zulässig sind und wie diese zu bewerten sind.
Für Unternehmen, die Laserhandschweißen einführen, ist diese Norm zentral für Abnahme, Qualitätssicherung und Produkthaftung.
2. Bedeutung der ISO 13919-1
Im Gegensatz zu Lichtbogenverfahren gilt für Laserstrahlschweißen nicht die ISO 5817, sondern ausschließlich die ISO 13919-1.
Die Norm stellt sicher, dass die Qualität von Laserschweißnähten objektiv, reproduzierbar und nachvollziehbar bewertet wird.
Sie bildet die Grundlage für:
- Kundenabnahmen
- interne Qualitätsfreigaben
- Reklamationsbearbeitung
- Haftungsabsicherung
3. Qualitätsstufen nach ISO 13919-1
Die Norm definiert drei Qualitätsstufen:
Stufe B – Hohe Anforderungen
- Für sicherheitsrelevante und hochbeanspruchte Bauteile
- Sehr geringe zulässige Unregelmäßigkeiten
- Hoher Prüf- und Dokumentationsaufwand
Typische Anwendungen:
- sicherheitskritische Maschinenbauteile
- Druck- und Lasttragende Komponenten
- Sonderkonstruktionen mit hohem Risiko
Stufe C – Mittlere Anforderungen
- Für technisch anspruchsvolle Standardbauteile
- Begrenzte zulässige Unregelmäßigkeiten
- Ausgewogener Prüfaufwand
Typische Anwendungen:
- allgemeiner Maschinenbau
- Anlagenkomponenten
- Serienbauteile
Stufe D – Grundanforderungen
- Für einfache, gering belastete Bauteile
- Größere zulässige Unregelmäßigkeiten
- Reduzierter Prüfumfang
Typische Anwendungen:
- Hilfskonstruktionen
- nicht sicherheitsrelevante Bauteile
- interne Betriebsmittel
4. Bewertete Unregelmäßigkeiten
Die ISO 13919-1 beschreibt zulässige Grenzwerte unter anderem für:
- Poren und Porennester
- Bindefehler
- Einbrandmängel
- Risse
- Unterfüllung und Überhöhung
- Nahtformabweichungen
- Spritzer und Oberflächenfehler
Diese Grenzwerte sind abhängig von Blechdicke, Nahtform und Qualitätsstufe.
5. Zusammenhang mit Prüfverfahren
Die Bewertung nach ISO 13919-1 erfolgt auf Grundlage zerstörungsfreier und ggf. zerstörender Prüfungen.
Typische Prüfverfahren:
- Sichtprüfung (VT)
- Eindringprüfung (PT)
- Ultraschallprüfung (UT)
- Durchstrahlungsprüfung (RT)
Die Auswahl erfolgt gemäß ISO 17635.
6. Anwendung beim Laserhandschweißen
Für die Einführung des Laserhandschweißens ist festzulegen:
- welche Qualitätsstufe pro Bauteil gilt
- welche Prüfverfahren eingesetzt werden
- wie Prüfergebnisse dokumentiert werden
- wer die Freigabe erteilt
Diese Festlegungen müssen Bestandteil der WPS und der Qualitätsdokumentation sein.
7. Zusammenhang mit ISO 3834 und ISO 15614-11
Die ISO 13919-1 ergänzt die ISO 3834 und die ISO 15614-11.
- ISO 3834: Organisations- und Systemanforderungen
- ISO 15614-11: Qualifizierung des Verfahrens
- ISO 13919-1: Bewertung der Nahtqualität
Nur das Zusammenspiel dieser Normen gewährleistet Abnahmesicherheit.
8. Typische Fehler in der Praxis
- Anwendung der falschen Norm (ISO 5817 statt ISO 13919-1)
- Keine klare Festlegung der Qualitätsstufe
- Unzureichender Prüfumfang
- Fehlende Dokumentation
- Subjektive Bewertung ohne Grenzwerte
Diese Fehler führen häufig zu Reklamationen und Abnahmeproblemen.
9. Nutzen der normkonformen Anwendung
Die korrekte Anwendung der ISO 13919-1 ermöglicht:
- objektive Qualitätsbewertung
- einheitliche Abnahmekriterien
- reduzierte Reklamationsquoten
- höhere Prozessstabilität
- rechtliche Absicherung
10. Kurzleitfaden zur Einführung
- Bauteilfunktionen analysieren
- Passende Qualitätsstufe festlegen
- Prüfverfahren definieren
- Bewertungskriterien dokumentieren
- Prüfer qualifizieren
- Freigabeprozess festlegen
11. Zusammenfassung
Die DIN EN ISO 13919-1 ist die zentrale Bewertungsnorm für Laserschweißnähte. Sie definiert objektive Qualitätsstufen und bildet die Grundlage für Abnahme, Qualitätssicherung und Haftungsminimierung beim Laserhandschweißen.
