DIN EN 12254 – Laserschutzwände, Vorhänge und Kabinen beim Laserhandschweißen

Anforderungen an Abschirmungen und Laserschutz-Einhausungen für den sicheren Betrieb


1. Einordnung: Was ist DIN EN 12254?

Die DIN EN 12254 ist die zentrale Norm für passive Laserschutzsysteme. Gemeint sind Abschirmungen, die Laserstrahlung so dämpfen/abschirmen, dass außerhalb des Schutzbereichs keine gefährliche Exposition entsteht.

Typische Anwendungen:

  • Laserschutzkabinen (Einhausungen)
  • Laserschutzwände (mobil oder fest)
  • Laserschutzvorhänge
  • Schutzpaneele/Schutzmodule im Laserarbeitsbereich

Beim Laserhandschweißen ist das besonders relevant, weil häufig offen oder teiloffen gearbeitet wird und Streu-/Reflexionsstrahlung beherrscht werden muss.


2. Wofür brauchst du diese Norm in der Praxis?

Die EN 12254 liefert die technische Grundlage, um Abschirmungen nachweisbar auszulegen – statt „Blech + Vorhang“ nach Bauchgefühl.

Sie hilft bei:

  • Planung eines Laserschutzbereichs
  • Auswahl geeigneter Materialien/Schutzsysteme
  • Bewertung von Widerstand gegen Laserstrahlung (Durchlässigkeit/Schutzwirkung)
  • Nachweisführung gegenüber Audits, Behörden, Versicherern

Wichtig: EN 12254 ergänzt die DIN EN 60825-1 (Klassifizierung/Grundschutz).
60825-1 sagt was zu schützen ist, 12254 hilft zu definieren womit abgeschirmt wird.


3. Was regelt DIN EN 12254 konkret?

Die Norm beschreibt Anforderungen an Laserschutzmaterialien und Schutzsysteme im Hinblick auf:

  • Schutzwirkung gegen Laserstrahlung (Dämpfung/Transmission)
  • Beständigkeit gegenüber thermischer Belastung (Erwärmung, Durchbrandrisiko)
  • Mechanische Eigenschaften (Stabilität, Befestigung, Zustand im Betrieb)
  • Prüf-/Bewertungsgrundlagen zur Eignung im vorgesehenen Einsatz

Praxisübersetzung:

Eine Abschirmung muss zur realen Laseranwendung passen (Wellenlänge, Leistung, Betriebsart, Expositionszeit) und darf nicht „durchgehen“ – weder optisch noch thermisch.


4. Was muss bei Laserhandschweißen besonders beachtet werden?

Beim Laserhandschweißen (typisch Hochleistung/Faserlaser, häufig Klasse 4) sind Abschirmungen oft stark belastet durch:

  • diffuse Reflexionen (auch von metallischen Oberflächen)
  • unvorhersehbare Strahlrichtungen (Handführung, Bauteilkanten)
  • lange Expositionszeiten im Betrieb
  • zusätzliche Belastungen durch Funken/Heißpartikel (prozessbedingt)

Deshalb reicht ein „normaler Vorhang“ nicht. Du brauchst ein System, das:

  • zur Laserklasse passt,
  • zur Leistung/Wellenlänge passt,
  • und im Realbetrieb nicht thermisch versagt.

5. Typische Einsatzfälle nach EN 12254

5.1 Laserschutzkabine (Einhausung)

Sinnvoll, wenn:

  • Laserhandschweißen regelmäßig oder in Serie betrieben wird
  • mehrere Personen im Umfeld arbeiten
  • definierte Zutritts- und Freigabezonen erforderlich sind

Typisch kombiniert mit:

  • verriegelten Türen (Interlocks)
  • Warnanzeigen
  • Zugangskontrolle

5.2 Feste oder mobile Laserschutzwände

Sinnvoll, wenn:

  • Arbeitsplätze flexibel bleiben müssen
  • wechselnde Bauteile/Positionen geschweißt werden
  • Teilabschirmung ausreichend ist (abhängig vom Schutzkonzept)

5.3 Laserschutzvorhänge

Sinnvoll, wenn:

  • Arbeitsbereiche schnell trennbar sein müssen
  • Sichtkontakt gewünscht ist (je nach Ausführung)
  • der Vorhang als Teil eines Gesamtschutzkonzeptes eingesetzt wird

Wichtig: Vorhänge sind keine „Allzwecklösung“. Sie müssen zur realen Belastung passen.


6. Schnittstelle zur CE-Konformität / Anlagensicherheit

Wenn du aus Lasergerät + Kabine/Wänden + Sicherheitseinrichtungen eine Gesamtanlage aufbaust, kann das Unternehmen zum Hersteller der Gesamtanlage werden.

Dann gilt:

  • Abschirmungen nach EN 12254 sind häufig ein wesentlicher Bestandteil des Sicherheitskonzeptes
  • die Schutzwirkung muss nachvollziehbar dokumentiert sein
  • ungeprüfte Eigenbauten machen die Konformitätserklärung unnötig schwer

Praxisregel:

Je besser die Nachweise der Abschirmkomponenten, desto belastbarer die Gesamt-Konformität.


7. Was muss der Betreiber/Planer vor der Auswahl klären?

Damit eine Abschirmung nach EN 12254 sinnvoll ausgewählt werden kann, müssen mindestens bekannt sein:

  • Laserklasse (bei Handlasern meist Klasse 4)
  • Wellenlänge (z. B. Faserlaser ~1 µm Bereich)
  • Leistungsbereich / Betriebsart (CW/gepulst)
  • mögliche Strahlrichtungen/Reflexionsflächen
  • Dauer der Exposition (Betrieb, Einrichten, Störung)
  • Aufstellort, Zutritt, Umgebungsbedingungen (z. B. Brandlasten)

8. Typische Fehler in der Praxis

  • Abschirmungen ohne nachvollziehbaren Nachweis (keine EN-12254-Eignung)
  • „Improvisierte“ Schutzwände (Bleche, Planen, Vorhänge aus dem Industriezubehör)
  • Unterschätzung thermischer Belastung (Durchbrand, Glimmen)
  • Abschirmung ist da – aber der Arbeitsbereich ist seitlich/offen noch kritisch
  • Abschirmung wird verändert (Ausschnitte, Fenster), ohne Neubewertung

9. Kurz-Check: Was sollte dokumentiert sein?

Für einen sauberen Nachweis im Betrieb sollten vorhanden sein:

  • Spezifikation/Unterlagen des Abschirmsystems (EN 12254, Einsatzbereich)
  • Zuordnung zur Laseranwendung (Wellenlänge/Leistung/Betriebsart)
  • Aufbau-/Aufstellplan (Schutzbereich, Öffnungen, Zugang)
  • Wartungs-/Prüfroutine (Zustand, Beschädigungen, Austausch)

10. Zusammenfassung

Die DIN EN 12254 ist die zentrale Norm für Laserschutzwände, -vorhänge und Kabinen.
Für Laserhandschweißen ist sie ein Kernelement, um Abschirmungen technisch korrekt auszulegen und nachweisbar zu betreiben – als Baustein der Anlagensicherheit/CE und des Laserschutzkonzeptes im Betrieb.