Thermisches Richten von Cr/Ni Stahl (Chromnickelstahl) – Flamme oder Tiefeninduktion im Vergleich

Das Richten von Bauteilen aus nichtrostendem Chromnickelstahl stellt besondere Anforderungen. Dieser Werkstoff reagiert empfindlich auf Temperatur – und verlangt deshalb nach einem besonders kontrollierten Vorgehen beim thermischen Richten. Materialeigenschaften wie Wärmeleitfähigkeit, Ausdehnungsverhalten und die Gefahr von Anlauffarben machen das Thema technisch anspruchsvoll – ganz gleich, ob mit Flamme oder Induktion gearbeitet wird.

Herausforderungen beim Richten nichtrostender Stähle

Bereits bei Temperaturen ab etwa 300 °C entstehen auf der Oberfläche sogenannte Anlauffarben. Diese Farbtöne (gelb, braun, violett, blau) zeigen, wie tief Chrom aus der Oberfläche oxidiert wurde – und das wirkt sich direkt auf den Korrosionsschutz aus. Ziel ist daher immer: plastisch verformen, ohne die Passivschicht zu beeinträchtigen.

Schaubild mit Anlassfarben an Cr-Ni-Stahl im Temperaturbereich von 200 bis 350 °C – erkennbar an Gelb-, Braun- und Violetttönen
Die Farbtöne zeigen, dass der Cr-Ni-Stahl im Bereich zwischen 200 und 350 °C erhitzt wurde. Die sichtbaren Anlassfarben dienen als „thermische Spuren“ und geben Hinweise auf mögliche Gefügeveränderungen oder beginnende Chromverarmung.

Flamme oder Tiefeninduktion?

Beide Verfahren bieten eigene Vorteile – je nach Anforderung und Bauteil:

  • Beim Flammrichten erfolgt der Wärmeeintrag von außen. Das erfordert Fingerspitzengefühl, eine saubere Flammführung und gegebenenfalls Hilfsmittel wie Flussmittel oder Spannmittel zur Dehnungskontrolle. Der Werkstoff muss dabei möglichst gleichmäßig und nicht zu stark erhitzt werden.
  • Mit Tiefeninduktion wird die Wärme direkt im Inneren des Werkstücks erzeugt. Das ermöglicht kürzere Erwärmungszeiten und reduziert den Einfluss auf die Oberfläche. Besonders bei Sichtflächen oder hoher Maßhaltigkeit kann das vorteilhaft sein. Entscheidend ist hier die richtige Einstellung von Leistung, Frequenz und Geschwindigkeit – für gezielte Erwärmung ohne Überhitzung.

Ob dickwandige Bleche, komplexe Zuschnitte oder empfindliche Sichtteile – welches Verfahren das geeignetere ist, hängt von mehreren Faktoren ab: Materialgüte, Bauteildicke, Toleranzvorgaben, optischer Anspruch – und nicht zuletzt von der Erfahrung des Anwenders.

Richten mit Konzept – aus der Praxis für die Praxis

In der Praxis zeigt sich: Beide Verfahren haben ihren Platz. Wichtig ist die passende Auswahl und ein sauber abgestimmter Prozess. Nur dann ist gewährleistet, dass der Werkstoff spannungsfrei, formgenau und ohne Folgeschäden bearbeitet werden kann.

Seminar: Thermisches Richten von Edelstahl

In meinem Seminar lernen Sie beide Verfahren intensiv kennen – Flammrichten und Induktionsrichten – mit besonderem Fokus auf die Herausforderungen beim Richten von nichtrostenden Stählen. Sie erfahren, worauf es bei Anwendung und Temperaturführung ankommt, welche Fehlerquellen es zu vermeiden gilt und wie Sie Werkstoffeigenschaften gezielt nutzen, um dauerhaft perfekte Ergebnisse zu erzielen.

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Induktionsrichten in der Praxis – zwei Beispiele

„Im folgenden siehst Du Videos, wie Edelstahl durch Tiefeninduktion gerichtet wird – ganz (fast) ohne Anlauffarben oder Oberflächenbeeinträchtigung.“