Flammrichten oder Induktionsrichten – Vergleich der Verfahren & Praxistipps

Als Experte für thermisches Richten werde ich oft gefragt: „Was ist besser – Flamme oder Induktion?“ Die Antwort: Es kommt darauf an. Beide Methoden haben klare Vorteile – je nach Einsatzgebiet, Material und Stückzahl. Hier erkläre ich die Unterschiede verständlich und praxisorientiert.

Deutlich sichtbarer Schweißverzug im Dünnblech – typisches Beispiel für thermisch verursachte Verformungen
Das Bild zeigt einen typischen Schweißverzug bei einem dünnwandigen Bauteil. Gerade im Dünnblechbereich führt die Wärmeeinbringung oft zu welligen oder verzogenen Oberflächen – ein zentrales Thema im Seminar Flammrichten und Induktionsrichten.

1. Technologische Unterschiede – Flamme vs. Induktion

Flammrichten erhitzt das Metall von außen – bis zur Rotglut, wenn nötig. Das braucht Zeit, führt zu starker Oberflächenoxidation und ist energieintensiv.
Induktionsrichten wirkt von innen: Hier erzeugen induzierte Wirbelströme gezielt Wärme im Inneren des Metalls – bis zu 15 mm tief, ohne die Oberfläche zu verbrennen. Mit weniger Wärmeeintrag lässt sich so oft ein gleichwertiger oder sogar besserer Richteffekt erzielen – präziser, schneller, kontrollierter.

Beide Verfahren nutzen das gleiche physikalische Prinzip – die gezielte Wärmeeinbringung unterscheidet sie jedoch stark.

2. Anschaffungs- und Betriebskosten – Was lohnt sich wann?

Flammrichtausrüstung ist vergleichsweise günstig. Ein komplettes Set – bestehend aus Brenner, Schlauchpaket, Druckminderer und Gasflaschen – ist oft schon für unter 2.000 € erhältlich.
Induktionsrichtsysteme hingegen verlangen eine deutlich höhere Anfangsinvestition. Leistungsfähige, mobile Geräte bewegen sich preislich schnell im Bereich von mehreren Tausend bis zehntausend Euro.

Dafür ist der laufende Betrieb beim Induktionsrichten günstiger: Es wird nur Strom benötigt – effizient umgewandelt in Wärme, ohne Nebenverluste. Beim Flammrichten hingegen verbrennt man Acetylen und Sauerstoff – teure Gase, die zudem einen schlechteren Wirkungsgrad haben.

Für Betriebe mit nur gelegentlichem Richtbedarf bleibt das Flammrichten wirtschaftlich. Wer jedoch regelmäßig richtet, profitiert langfristig von den geringeren Betriebskosten und der höheren Effizienz des Induktionsverfahrens.

Nach dem Richten: Geradegerichtetes Bauteil ohne sichtbaren Verzug – Ergebnis nach Flamm- oder Induktionsrichten im Seminar
Das Bild zeigt das Ergebnis eines Richtvorgangs während des Seminars: Das zuvor verzogene Bauteil wurde mit geringem Aufwand thermisch gerichtet – sichtbar perfekt gerade und spannungsarm.

3. Schulungsaufwand und Bedienerqualifikation – Know-how zählt

Flammrichten ist traditionell, aber anspruchsvoll. Temperaturführung, Timing, die richtige Form und Platzierung der „Richtfigur“ – all das muss sitzen. Wer hier präzise Ergebnisse will, braucht fundiertes Wissen und Übung. Flammrichtseminare in Ihrer Nähe

Induktionsrichten baut auf diesem Wissen auf, lässt sich aber deutlich einfacher beherrschen. Viele Hersteller bieten kompakte Schulungen an – oft reicht schon ein eintägiges Training, um das System sicher zu bedienen.

Seminar Induktionsrichten

4. Einsatzbereiche – Wo passt welches Verfahren?

Flammrichten ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil im Stahl- und Schiffbau. Ob beim Richten von Hallenstützen, Brückenträgern, Kränen oder Schiffssektionen nach dem Schweißen – überall, wo sich Material verzieht, kommt die Flamme zum Einsatz.

Induktionsrichten stammt ursprünglich aus dem Fahrzeugbau, ist heute aber auch im Maschinen- und Stahlbau etabliert – überall dort, wo Präzision, Automation und saubere Prozesse gefragt sind. Auch Nichteisenmetalle wie Aluminium lassen sich damit gut bearbeiten.

In der Praxis ergänzen sich beide Verfahren. Wer große Materialdicken bearbeiten muss, setzt auf die Flamme. Serienfertigungen profitieren von der Präzision und Wiederholbarkeit der Induktion.

• Metallbau, Maschinenbau, Stahlbau
• Lohnfertiger & Schweißbetriebe
• Handwerksbetriebe mit Werkstatt
• Fahrzeug-, Behälter- oder Anlagenbau

5. Wirtschaftlichkeit – Einzelteil oder Serienproduktion?

Flammrichten ist ideal für Einzelstücke, Reparaturen oder spontane Korrekturen. Die Ausrüstung ist schnell griffbereit, die Rüstzeiten minimal – Brenner anzünden, loslegen.

Induktionsrichten zeigt seine Stärken in der Serienfertigung: schneller, effizienter, oft automatisierbar – mit Robotern und Scannertechnik. So entstehen gleichbleibend hochwertige Ergebnisse – ohne manuellen Eingriff.

Für große Serien ist Induktionsrichten wirtschaftlich unschlagbar. Für Einzelfertigungen bleibt das Flammrichten wegen der geringen Fixkosten attraktiv und flexibel.

6. Umwelt- und Sicherheitsaspekte – Induktion punktet doppelt

Induktionsrichten ist sauber, leise und sicher:
Keine offenen Flammen
Keine brennbaren Gase
Keine Emissionen wie CO₂ oder Abgase
Weniger Lärm und Strahlung
Das macht Induktionssysteme ideal für Innenräume oder sensible Bereiche.
Flammrichten bringt die klassischen Risiken aus dem Schweißhandwerk mit: hohe Hitze, offene Flammen, Gasgefahr. Bei fachgerechter Anwendung ist es sicher – erfordert aber Sorgfalt, Erfahrung und Schutzmaßnahmen.

Fazit – Zwei Methoden, ein Ziel: Präzise richten

Flammrichten punktet durch:

  • Geringe Anschaffungskosten
  • Hohe Flexibilität
  • Eignung auch für dicke Materialien
  • Bewährte Technik – sofort einsatzbereit

Induktionsrichten überzeugt mit:

  • Schnelligkeit und Präzision
  • Energieeffizienz
  • Sauberem, sicherem Arbeiten
  • Ideal für Serien und empfindliche Umgebungen

Ich arbeite mit beiden Verfahren – und wähle je nach Material, Stückzahl und Zielsetzung die passende Methode für Sie. Ob dickwandiger Stahlträger oder Aluminiumbauteil, ob Einzelstück oder Serienfertigung: Ich sorge dafür, dass Ihr Bauteil spannungsfrei und maßhaltig wird.

Video Flammrichten, in dem an sehr gut die Unterschiede erkennt