Flammrichten & Induktionsrichten verzinkter Bauteile – Grundlagen & Praxiswissen

Grundlagen, Verfahren und Tipps für die Praxis

Feuerverzinkte Stahlbauteile können sich beim Verzinken oder durch vorherige Verarbeitung verziehen. Die gute Nachricht: Solche Verzüge lassen sich gezielt beheben – sowohl mit der Flamme als auch mit Induktion. Dabei gilt: Der Korrosionsschutz muss vollständig erhalten bleiben.

🔥 Flammrichten feuerverzinkter Bauteile – was ist möglich?

Verzinkte Bauteile dürfen Flammgerichtet werden – aber mit Vorsicht.
Wichtig ist, dass die Zinkschicht an der Flammrichtstelle nicht beschädigt wird. Anders als beim mechanischen Richten (z. B. mit dem Hammer), das zu Rissen in der spröden Hartzinkschicht führen kann, bleibt die Schutzschicht beim Flammrichten bei richtiger Anwendung erhalten.

Das Verfahren bietet sich besonders an, wenn ein Verkürzen des Materials notwendig ist, etwa beim Richten von Beulen oder Verkrümmungen – z. B. an einem Schaukastenrahmen.

🌡️ Flammrichttemperatur richtig erkennen

Die ideale Temperatur beim Flammrichten verzinkter Bauteile liegt bei 550–600 °C.
Aber Vorsicht: Während bei blankem Stahl die sogenannte „Dunkelrotglut“ sichtbar wird, ist diese bei verzinkten Oberflächen erst bei rund 900 °C zu erkennen – dann ist die Zinkschicht aber schon beschädigt.

Der richtige Richtmoment zeigt sich durch ein mattgraues Anlaufen der Zinkschicht – der sogenannte „Grauschleier“.
👉 Das kannst du ganz einfach an einem Probebauteil einüben.

💡 Profi-Tipp: Arbeiten mit Flussmittel

Besonders bei dünnwandigen, verzinkten Teilen ist der Einsatz eines geeigneten Hartlötflussmittels hilfreich.

  • schmilzt bei ca. 550 °C
  • überzieht die Oberfläche mit einem gleichmäßigen Glasfilm (ca. 590 °C = ideale Temperatur)
  • schützt die Zinkschicht vor Oxidation
  • verhindert sichtbare Verfärbungen
  • wird nach dem Richten einfach mit Wasser abgewaschen

🔧 Technik & Flammeneinstellung

  • Flamme: neutral bis leicht sauerstoffüberschüssig
  • Brennergröße: angepasst an Blechdicke
  • Arbeitsweise: zügig, ohne Hitze-Stau

🔍 Flammrichten vs. mechanisches Richten – Erkenntnisse aus der Praxis

Praxisversuche mit feuerverzinkten T-Trägern zeigen es eindeutig:

  • Flammgerichtete Träger:
    Die Zinkschicht bleibt vollständig intakt, haftet optimal und bildet eine dichte, feinkörnige Struktur. Es entstehen weder Risse noch Abplatzungen – der Korrosionsschutz bleibt voll erhalten.
    Nach dem Verzinken behalten diese Träger dauerhaft ihre korrigierte Form – sie bleiben gerade.
  • Mechanisch gerichtete Träger (nach dem Verzinken):
    Diese Bauteile zeigen häufig wieder den ursprünglichen Verzug – fast so, als wären sie nie gerichtet worden. Beim mechanischen Überbiegen kann es zu Rissen oder Abplatzungen in der Zinkschicht kommen – der Korrosionsschutz wird dadurch spürbar geschwächt.

➡️ Fazit: Flammrichten sollte – wenn möglich – vor dem Verzinken durchgeführt werden.
Es ist materialschonender, erhält die Schutzschicht und sorgt für ein dauerhaft gerades Ergebnis – technisch wie wirtschaftlich die klar bessere Wahl.

⚡ Induktionsrichten verzinkter Bauteile – präzise & materialschonend

Ein echter Vorteil des Induktionsrichtens liegt in der kontrollierten Wärmezufuhr.
Über Temperatur und Zeit lässt sich der Prozess exakt steuern – ideal für empfindliche Zinkschichten.

  • Richten unter 600 °C ist problemlos möglich
  • Die Zinkschicht darf leicht matt anlaufen, aber nicht verdampfen
  • Flächen bleiben intakt, die Schutzwirkung bleibt erhalten

Grundsätzlich gelten für das Induktionsrichten dieselben Regeln wie für das Flammrichten – nur dass der Wärmeeintrag noch präziser steuerbar ist.

Gerichtetes Bauteil nach thermischem Richten ohne sichtbare Überhitzungsspuren
Das Werkstück zeigt keine Anlauffarben oder Schmorstellen – Beispiel für korrektes Flammrichten verzinktes Bauteil

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