Beim Flammrichten entscheidet die richtige Wahl des Brenners über den Erfolg. In erster Linie richtet sich die Brennergröße nach der Werkstück- bzw. Blechdicke an der Richtstelle. Für gängige Werkstoffe wie z. B. St 37 (S235) gibt es Tabellen mit typischen Brennereinsätzen – diese dienen als Orientierung, ersetzen aber nicht die Erfahrung vor Ort.
Denn neben der Dicke spielen auch die Werkstoffeigenschaften und die verwendete Wärmefigur eine wichtige Rolle. Ziel ist es, die gewünschte Wärmefigur schnell und sauber einzubringen – ohne unnötigen Wärmeverlust und ohne umliegende Bereiche zu beeinflussen.
Aus der Praxis: Es ist sinnvoll, zunächst mit einem eher kleinen Brennereinsatz zu starten. Sobald man ein Gefühl für das Verhalten des Werkstoffs hat, kann auf einen größeren Einsatz umgestiegen werden – so wird das Bauteil zügig gerichtet, ohne dass die zulässigen Temperaturgrenzen überschritten werden.
❗ Wichtiger Hinweis:
Die Oberfläche darf niemals angeschmolzen werden! Das gilt als schwerer Fehler beim Flammrichten. Besonders bei dicken Werkstücken oder empfindlichen Materialien bieten sich Mehrflammeneinsätze an, die eine gleichmäßige Temperaturverteilung ermöglichen und Überhitzung vermeiden.
Die richtige Einstellung der Flamme
Ebenso wichtig wie die Brennergröße ist die korrekte Flammeneinstellung. Die Art der Flamme muss immer auf den Werkstoff abgestimmt sein – denn eine falsch eingestellte Flamme kann den Werkstoff dauerhaft schädigen.
🔥 Drei bewährte Flammeneinstellungen:
- Neutrale Flamme: Die Standardlösung – universell einsetzbar und für viele Werkstoffe geeignet.
- 30 % Sauerstoffüberschuss: Erhöht die Flammentemperatur und beschleunigt den Richtprozess – ideal bei unlegierten Baustählen. Dabei ist eine leichte Verzunderung der Oberfläche in Kauf zu nehmen.
- Geringer Acetylenüberschuss: Besonders geeignet für Aluminiumlegierungen – schützt vor Sauerstoffüberschuss, macht die Richtstelle sichtbar und verringert das Risiko von Oxidation.
Beim Flammrichten von nichtrostenden Stählen (Chrom-Nickel-Stähle) empfiehlt sich eine neutrale bis leicht sauerstoffüberschüssige Flamme – so bleibt die empfindliche Oberfläche geschützt.
Praxis-Tipp zur Flammeneinstellung
Die Funktion des Brenners muss natürlich einwandfrei sein. Erst dann lässt sich die Acetylen-Sauerstoff-Flamme präzise und werkstoffgerecht einstellen. In der Regel gilt:

| Flammeneinstellung | Verhältnis Acetylen:Sauerstoff |
|---|---|
| Neutral | 1 : 1 |
| Sauerstoffüberschuss | ca. 1 : 1,2 bis 1 : 2 |
| Acetylenüberschuss | ca. 1 : 0,8 |

Übersichtstabellen zur Orientierung
Im Seminar und in der Anwendungspraxis orientieren wir uns an drei Tabellen, die abhängig vom Werkstoff die empfohlene Brennergröße und den Acetylenverbrauch bei Wärmepunkten angeben:
- 🔧 Flammrichten von Baustahl (z. B. S235)
- 🔧 Flammrichten von Cr/Ni-Stahl (Chromnickelstahl)
- 🔧 Flammrichten von Aluminiumlegierungen
Der Sauerstoffverbrauch richtet sich nach der gewählten Flammeneinstellung – siehe Tabelle oben.



Warum die Brennergröße beim Flammrichten so wichtig ist
Beim Flammrichten muss die Wärme schnell genug an der richtigen Stelle eingebracht werden. Nur dann entsteht die gewünschte Schrumpfwirkung.
Ist der Brenner zu klein, dauert die Erwärmung zu lange. Die Wärme verteilt sich stärker in das Bauteil, bevor die notwendige Richttemperatur erreicht wird. Das Ergebnis kann schwach, unkontrolliert oder unwirtschaftlich sein.
Ist der Brenner zu groß, besteht die Gefahr, dass die Richtstelle überhitzt wird oder angrenzende Bereiche unnötig beeinflusst werden.
Die richtige Brennergröße ist deshalb immer ein Kompromiss aus:
- Materialdicke
- Werkstoff
- Bauteilgröße
- Wärmeableitung
- gewünschter Wärmefigur
- Zugänglichkeit
- erforderlicher Richtwirkung
- zulässiger Temperatur
Die Tabelle liefert eine gute Orientierung. Die sichere Auswahl entsteht aber erst durch Erfahrung am Bauteil.
Warum Erfahrung die Tabelle nicht ersetzt
Brennertabellen sind hilfreich, aber sie lösen nicht jede Richtaufgabe.
In der Praxis entscheidet nicht nur die Materialdicke an der Richtstelle. Entscheidend ist auch, wie das Bauteil die Wärme aufnimmt und ableitet.
Ein kleines Blech, eine massive Maschinenbauplatte, ein Profil, ein Rohr oder eine Schweißkonstruktion reagieren unterschiedlich auf denselben Brennereinsatz.
Auch die gewählte Wärmefigur spielt eine große Rolle:
- Wärmepunkt
- Wärmestrich
- Wärmekeil
- linienförmige Erwärmung
- großflächigere Erwärmung mit Mehrflammeneinsatz
Je nachdem, welche Richtwirkung erzielt werden soll, kann derselbe Brenner zu klein, passend oder zu groß sein.
Deshalb sollte die Brennerwahl immer mit der geplanten Richtstrategie zusammen betrachtet werden.
Typische Fehler bei der Brennerwahl
In der Praxis treten immer wieder ähnliche Fehler auf.
Zu kleiner Brenner
Ein zu kleiner Brenner wirkt zunächst sicherer, weil die Erwärmung langsamer erfolgt. Das kann beim Einstieg sinnvoll sein.
Wird jedoch dauerhaft mit zu kleinen Brennereinsätzen gearbeitet, entstehen Probleme:
- lange Erwärmungszeiten
- hoher Zeitaufwand
- Wärme verteilt sich unnötig im Bauteil
- Richtwirkung bleibt schwach
- mehrere Richtversuche werden erforderlich
- der Prozess wird unwirtschaftlich
Zu großer Brenner
Ein zu großer Brenner bringt sehr viel Energie in kurzer Zeit ein. Das kann bei massiven Bauteilen sinnvoll sein, ist aber nicht immer beherrschbar.
Mögliche Folgen:
- Überhitzung der Richtstelle
- Anschmelzen der Oberfläche
- zu große Wärmeeinflusszone
- unnötige Gefügeveränderung
- Verfärbung oder Oberflächenschäden
- falsche oder zu starke Richtwirkung
Besonders kritisch ist das Anschmelzen der Oberfläche. Das ist beim Flammrichten ein schwerer Fehler und muss vermieden werden.
Flammeneinstellung und Werkstoff gehören zusammen
Die Flammeneinstellung darf nicht losgelöst vom Werkstoff betrachtet werden.
Bei unlegierten Baustählen wird häufig mit neutraler Flamme oder mit leichtem Sauerstoffüberschuss gearbeitet. Der Sauerstoffüberschuss erhöht die Flammentemperatur und kann den Richtprozess beschleunigen.
Bei nichtrostenden Stählen muss sorgfältiger gearbeitet werden. Oberfläche, Anlauffarben und Werkstoffeigenschaften reagieren empfindlicher auf falsche Wärmeführung und falsche Flammeneinstellung.
Bei Aluminium ist die Situation nochmals anders. Aluminium leitet Wärme sehr gut und zeigt die Temperatur optisch schlechter an als Stahl. Hier ist eine angepasste Flammeneinstellung besonders wichtig, damit die Richtstelle kontrolliert erwärmt wird und der Werkstoff nicht geschädigt wird.
Die Flamme muss also immer zur Aufgabe passen:
- Werkstoff
- Materialdicke
- gewünschte Temperatur
- Wärmefigur
- Oberflächenanforderung
- spätere Verwendung des Bauteils
Mehrflammeneinsätze beim Flammrichten
Bei größeren Materialdicken oder empfindlichen Anwendungen können Mehrflammeneinsätze sinnvoll sein.
Der Vorteil liegt nicht nur in mehr Leistung. Entscheidend ist die gleichmäßigere Wärmeverteilung.
Mehrflammeneinsätze können helfen, die erforderliche Temperatur schneller und kontrollierter zu erreichen, ohne einen einzelnen Punkt zu stark zu überhitzen.
Sie kommen besonders infrage, wenn:
- größere Bauteile gerichtet werden
- dickere Werkstücke erwärmt werden müssen
- eine gleichmäßigere Temperaturverteilung erforderlich ist
- Überhitzung vermieden werden soll
- die Richtwirkung reproduzierbarer werden muss
Auch hier gilt: Der Einsatz muss zur Richtstrategie passen. Mehr Flamme bedeutet nicht automatisch besseres Richten.
Brennerwahl ist Teil der Richtstrategie
Beim Flammrichten geht es nicht darum, einfach irgendwo Wärme einzubringen.
Die Brennergröße ist nur ein Teil der gesamten Richtstrategie. Sie muss zusammenpassen mit:
- Lage der Richtstelle
- gewünschter Schrumpfrichtung
- Dehnungsbehinderung
- Bauteilspannung
- Einspannung oder Vorspannung
- Werkstoffverhalten
- Temperaturführung
- Reihenfolge der Richtschritte
Ein erfahrener Flammrichter entscheidet deshalb nicht nur: „Welche Blechdicke liegt vor?“
Er fragt zusätzlich:
- In welche Richtung soll das Bauteil reagieren?
- Wo muss Schrumpfung entstehen?
- Welche Bereiche dürfen nicht beeinflusst werden?
- Wie stark ist das Bauteil behindert?
- Muss mit oder ohne Dehnungsbehinderung gearbeitet werden?
- Ist Vorspannen sinnvoll?
- Reicht Flammrichten oder wäre Induktionsrichten besser?
Erst daraus ergibt sich die passende Brennerwahl.
Nächster sinnvoller Schritt
Die richtige Brennergröße und Flammeneinstellung lassen sich nicht nur aus Tabellen ableiten. Tabellen geben eine Orientierung – die sichere Anwendung entsteht erst durch Übung am Bauteil.
Entscheidend ist, wie schnell die Wärme eingebracht wird, welche Wärmefigur verwendet wird, wie sich der Werkstoff verhält und ob die zulässige Temperatur sicher eingehalten wird.
Wenn Ihre Mitarbeiter Flammrichten nicht nur theoretisch verstehen, sondern praktisch sicher anwenden sollen, ist ein praxisnahes Flammrichtseminar der richtige nächste Schritt.
Im Seminar werden Brennerwahl, Flammeneinstellung, Wärmeführung und Richtstrategie direkt an typischen Bauteilen geübt.
